Dienstag, 10 Dezember 2019 15:09

Tourentipp 4: In drei Tagen über die „Greina“

Die „Plaun la Greina“ zählt zu den schönsten Landschaften der Schweiz, ja wenn nicht gar der ganzen Alpen. Der Übergang über die sechs Kilometer lange und einen Kilometer breite Hochebene von der Surselva ins Tessin war schon den Römern bekannt. Später zogen Säumer und Sennen mit Waren und Vieh über den Pass. Die Nähe zum italienischen Sprachraum zeigt sich nicht nur in der prachtvollen Vriner Pfarrkirche Nossadunna e Sogn Gion Battesta mit ihrem freistehenden Glockenturm. Erst mit dem Bau der fahrbaren Straße nach Ilanz im Jahr 1887 richtete sich Vrin nach Norden aus. Heute ist das Dorf für sein geschlossenes historisches Ortsbild bekannt. Die modernen Akzente setzen die Werke der Stararchitekten Peter Zumthor und vor allem Gion A. Caminada – dessen berühmte Telefonzelle in Strickbautechnik am Ausgangspunkt steht. 

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Foto: Marcel Volken

Die klassische Tagestour über die Greina führt vom Vriner Ortsteil Puzzatsch über den Pass Diesrut und die Terri-Hütte nach Tenigerbad im Val Sumvitg. Wir stellen eine längere Tour vor und verbinden die beiden historischen Alpenübergänge Greina und Lukmanier miteinander. Start ist in Vrin. Auf der wenig befahrenen Straße, die eine oder andere Kurve auf Wiesenwegen abschneidend, geht es über die Weiler Cons, und Ligiazun-Sogn Giusep nach Puzzatsch (1). Uralte Kapellen säumen den Weg bis ins wirklich allerletzte Sommerdorf im Val Lumnezia, wohin im Sommer ein Shuttle-Bus ab Vrin fährt. Nach kurzem Zwischenabstieg steigt man über die Alp Diesrut zum gleichnamigen Übergang zur Greina auf. Hätten die Bündner vor rund 70 und nochmals vor 35 Jahren nicht so vehement für ihre Heimat gekämpft, es gäbe die einmalige Landschaft, nicht mehr. Sie wäre längst in den Fluten eines Stausees untergegangen und für immer verloren. Wer nach langem Aufstieg oben am Pass Diesrut (2) ankommt, die Stille hört und das Lichtspiel aus Sonne und ziehenden Wolken sieht, der versteht, warum damals so erbittert protestiert wurde. Recht zügig geht es nun hinab zur Hochebene. Die Terrihütte (SAC) erreicht man auf einem Abstecher über eine kühn die Wasserfälle des Rein da Sumvitg überspannende Hängebrücke. Unser Weg geht über die von Dreitausendern gerahmte Greinaebene bis zur Capanna Scaletta (3), die auf einer Felskante am Übergang der Greina ins Val Blenio sitzt.

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Foto: Marcel Volken

Am zweiten Tag steht zu Beginn der Abstieg ins Val Blenio auf dem Programm. Zum 200 Meter unter der Hütte gelegenen Pian Geirett fährt von Olivone über Campo-Blenio ein Shuttle-Bus. Ab und an folgt der Weg dem Alpsträßchen, kürzt aber dessen Verlauf meist auf schönen Bergpfaden und historischen Säumerwegen ab. Allmählich gehen die Bergwiesen in Lärchen- und Fichtenwälder und schließlich in Auenwälder über und man erreicht Campo-Blenio. Zeit sich in einem der Restaurants des Ortes zu stärken, ehe es nur zu Beginn steil, dann gemächlicher über Maiensäße zur Capanna Bovarina (4) hinauf geht.

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Foto: Marcel Volken

Der dritte Tag ist weniger anstrengend als die beiden vorhergehenden. Mehr Ausbummeln, den Bergwanderung. Über die Alpe Bovarina wandert man rund 600 Höhenmeter bis zum Passo di Gana Negra. Bei Nebel kann die Orientierung auf den weiten und freien Alpflächen schwierig werden, bei Sonne ist der gemächliche Anstieg dagegen pures Genusswandern. Ein letzter, wieder steilerer Schlussabstieg führt über Bergwiesen hinab zum Hospiz am Lukmanierpass. Hier besteigt man das Postauto und fährt ins berühmte Klosterdorf Disentis zur Bahnstation der Rhätischen Bahn.

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Foto: Marcel Volken

Index Wandern (schwer)
Start: Vrin
Ziel
: Lukmanierpass
Anforderungen:
ca. 40 Kilometer / 3 Tage. Anstrengende Bergwanderung mit ca. 2500 Hm An- und 2000 Hm Abstieg. Etappe 1 und 2 sind verkürzbar mit Shuttle-Bus Vrin-Puzzatsch, bzw. Pian Geirett – Campo Blenio.
Beschilderung: Gelbe Hinweisschilder mit Ziel- und Zeitangabe, rot-weiße Farbmarkierungen im Gelände.
Höhepunkte: Das historische Ortsbild und die modernen Strickbauten von Gion A. Caminada in Vrin, die Kapellen von Cons, Sogn Giusep und Puzzatsch, die Hochebene der Greina, die bizarren Rauhwacketürme in der Val Camadra und am Passo di Gana Negra, die Maiensäße in der Val Campo und und und...
Übernachtungen: Capanna Scaletta (SAC), +41 91 872 26 28, www.facebook.com/capannascaletta; Capanna Bovarina (UTOE), +41 91 872 15 29, www.capannabovarina.ch und gegeb. auch Terrihütte (SAC), +41 81 943 12 05, www.terrihuette.ch und die Unterkünfte in Campo-Blenio.
Beste Wanderzeit: Mitte Juni bis Mitte Oktober.
Busverbindungen: www.busalpin.ch

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