Dienstag, 10 Dezember 2019 15:07

Tourentipp 2: Ins Gletschertal „Val Frisal“

Das Val Frisal wird zu recht mit Superlativen beschrieben: schönsten Hochtal der Alpen, schönstes Gletschertal der Schweiz usw. Das schürt die Vorfreude auf die Wanderung in das brettebene, von einem mäandernden Bach durchflossenen Talboden zwischen den himmelhoch aufragenden, vergletscherten Bergflanken von Bifertenstock, Piz Frisal und den Brigelser Hörnern.

Für den angenehmsten Zugang empfehlen wir eine Fahrt mit dem Sessellift von Brigels nach Burleun, die zwischen Juni und Mitte Oktober (fast) täglich in Betrieb ist.  Hier beginnt auch der Schweizer Wanderweg 678 „Hochtal Val Frisal“. Ein paar Meter wandert man noch auf der sich in die Höhe schraubenden Alpstraße, biegt in der ersten Serpentine links ab und wandert anfangs noch in Bergwiesen, später dann in aufregend steilem Bergwald abwärts zum Wegknoten Chischarolas (1) am Ufer des wild schäumenden Bergbaches Flem. Eine hübsche Feuerstelle direkt am Bach verleitet zum Rasten. Der Rückweg kommt aber auch wieder hier vorbei und ausreichend Brennholz liegt auch immer bereit. Also verschieben wir das auf später. Vom weiteren Weg bietet sich ein schöner Blick auf den Wald „Scatlè“. Der nur ein paar hundert Meter breite, von Felswänden und Geröllhalden gerahmte Waldstreifen gilt als der höchstgelegene Fichtenurwald Europas. Da hier nie Holz geschlagen wurde, konnte sich eine einmalige Flora erhalten. Nach einem guten halben Kilometer im Tal der Flem quert man den Bergbach und steigt am Rand des „Scatlè“ steil zur winzigen Alphütte der Alp Nova an. Der Weg wird nun flacher und zieht hoch über dem Tal bis zur Bergkante am Crap Cavigliauna. Kaum ums Eck gebogen, öffnet sich ein großartiger Blick auf die völlig flache und weitläufige Schwemmebene des Val Frisal (2). Wohin zu erst schauen? Auf die vergletscherten Dreitausender? Auf die unzähligen im Sonnenlicht funkelnden, vielfach verzweigten Bachläufe? In den Himmel, um einen der in den Steilwänden nistenden Steinadler zu erspähen? Auf die Wollgraswiesen im Sommer oder die braun-rot leuchtenden Heideflächen im Herbst?

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Foto: Marcel Volken

Trotz aller Schönheit des Val Frisal, irgendwann muss man sich losreißen und wieder ins Tal zurück wandern. Der Weg entlang des Flembaches ist nur ganz am Anfang etwas steil und verlangt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, ist aber mit einem Handlauf entschärft. Bald wird der Abstiegsweg zum bequemen Alpweg, der bei Chischarolas (1) den Bach quert und weiter in Richtung Brigels führt. Unser Tipp: An der nächsten Brücke über den Flem (3) wieder die Talseite wechseln und dem Wanderweg zur Kapelle von Sogn Sievi (4) folgen. Die leuchtend weiße kleine Kirche steht seit dem Jahr 1183 hoch über dem alten Dorfkern und ist die älteste der drei historischen Brigelser Kapellen. Hier lässt sich herrlich auf einem Stein oder einer Bank Platz nehmen, um im Abendlicht die Aussicht zu genießen und den Tag Revue passieren zu lassen.

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Foto: Marcel Volken

Index Wandern (mittel)
Start: Brigels (Bergstation Burleun)
Ziel
: Brigels-Dorf (Parkplatz Sessellift)
Anforderungen: 12 Kilometer / 4-4,5 Std. Bergwanderung auf teils schmalen Wegen mit ca. 600 Hm Aufstieg und 1000 Hm Abstieg.
Beschilderung: Gelbe Hinweisschilder mit Ziel- und Zeitangabe, rot-weiße Farbmarkierungen im Gelände.
Höhepunkte: Fahrt mit dem Sessellift nach Burleun, Fichtenurwald „Scatlè“, Gletschertal „Val Frisal“, Kapelle Sogn Sievi.
Einkehrmöglichkeiten: Unterwegs keine, aber offizielle Grillplätze in Chischarolas und am Abstieg nach Brigels.
Beste Wanderzeit: Juni bis Anfang Oktober.

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