Tourentipp 1: Durch die Rheinschlucht „Ruinaulta“

Oft als „Grand Canyon der Schweiz“ bezeichnet, zeigt sich die Rheinschlucht doch mit ganz anderem Gesicht. Blendend weiße Felsfluchten heben sich vom tiefen Grün der Wälder ab. Darüber bauen sich die hohen, schneebedeckten Gipfel der Glarner Alpen im Norden und die abenteuerlich wild zerrissenen Felskämme der Adula Alpen im Süden auf. So abweisend und karg die Schlucht wirkt, so reichhaltig sind doch Fauna und Flora. Entstanden ist die einmalige Landschaft durch einen riesigen postglazialen Bergsturz, den der junge Rhein seit rund 10.000 Jahren durchgräbt. Auf einer Wanderung von Ilanz nach Reichenau lässt sich die „Ruinaulta“ besonders gut entdecken. Dank der stets parallel verlaufenden Rhätischen Bahn kann die Tour fast beliebig verkürzt werden.

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Foto: Marcel Volken

Vom Start am Bahnhof Ilanz wandert man zuerst über den aus der Val Lumnezia kommenden Glenner und folgt dann stets dem Vorderrhein – dem nördlichen Quellfluss des Rheins – durch Auwälder flussabwärts, passiert den Ort Castrich und dringt von nun an mit jedem Schritt tiefer in die vorausliegende Schlucht ein. Nach der Bahnstation von Valendas (1) bauen sich die Bergflanken mehr und mehr in die Höhe auf. Bis zu 300 Meter hoch sind die strahlenden weißen Felswände im Zentrum der Schlucht, wo man aus Naturschutzgründen an der Bahnstation von Versam-Safien (2) für ein Stück in einen der knallroten Züge der Rhätischen Bahn umsteigen muss. Es lohnt sich aber zuvor noch einen Abstecher ins wahre Herz der Rheinschlucht zu unternehmen. Dazu wandert man noch ein Stück zwischen der Bahnlinie und dem rauschenden Vorderrhein entlang, bis die Bahn in einem Tunnel verschwindet. Darüber kraxelt man steil hinauf auf den halbinselartigen Bergsporn „Chrummwag“ (3). Oben steht eine Bank mit atemberaubender Rundumsicht auf den wildesten Abschnitt der Rheinschlucht. Hier macht man kehrt, geht zurück zum Bahnstation und fährt in wenigen Minuten zur Station Trin (4). Wer mag, wagt einen Abstecher auf die filigrane Holz-Hängebrücke „Punt Ruinaulta“ und erlebt den Fluss so von oben. Diese Wanderung quert nicht den Rhein, sondern bleibt am nördlichen Ufer bis sich die Landschaft öffnet und die Schlucht Fluss, Bahn und Wanderer wieder frei gibt. Kurz darauf vereinen sich Vorder- und Hinterrhein zum „Alpenrhein“. Auf den Zusammenfluss hat man zweimal einen wunderbaren Ausblick: erst von der Brücke über den Vorderrhein zum hübschen Schloss Reichenau, dann von der Brücke über den Alpenrhein zum Ziel am Bahnhof Reichenau-Tamins.

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Foto: Marcel Volken

Index Wandern (mittel)
Start: Ilanz
Ziel
: Reichenau-Tamins Station
Anforderungen: 21 Kilometer / 4-4,5 Std. Schluchtwanderung ohne große Höhenunterschiede auf gut wanderbaren Bergwegen.
Beschilderung: Gelbe Hinweisschilder mit Ziel- und Zeitangabe.
Höhepunkte: Die wilde Natur der Rheinschlucht, die Fahrt/en mit der Rhätischen Bahn.
Einkehrmöglichkeiten: Café zur Einkehr & Mystik am Bahnhof Versam-Safien, +41 79 406 09 47, www.spirituelleszentrum.ch/cafe
Beste Wanderzeit: Mai bis Oktober.
Hinweis:
Der Streckenabschnitt Versam Station-Trin Station ist aufgrund des Naturschutzgebietes nicht begehbar und wird daher mit der Rhätischen Bahn zurückgelegt.